Katrin ist 41, zwei Kinder, seit der Karenz 25 Stunden in der Woche. Aufgehört zu arbeiten hat sie nie. Dann kommt der Pensionskonto-Auszug ins Haus, sie schaut zum ersten Mal genau hin und fragt mich: „Reicht das überhaupt?“
Für sie nicht. Und damit ist sie in guter Gesellschaft. Wer den Lebensstandard halten will, kommt in Österreich um private Pensionsvorsorge nicht herum. Die Frage ist nur, welche.
Warum die staatliche Pension bei den meisten nicht reicht
Das Pensionskonto ist so gebaut, dass 45 lückenlose Beitragsjahre mit Durchschnittsverdienst ungefähr 80 Prozent des Letzteinkommens ergeben. Klingt ordentlich. Der Haken steckt in den 45 Jahren.
Kurz zusammengefasst (Stand 2026)
- Volle Pension erst nach 45 Beitragsjahren, dann rund 80 Prozent vom Letzteinkommen
- Über 6.930 Euro brutto im Monat sammelst Du keine Ansprüche mehr
- Drei private Wege: ETF-Sparplan, fondsgebundene Lebensversicherung, prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge
- Faustregel fürs Sparen: 10 bis 15 Prozent vom Netto
Wer studiert hat, ein paar Jahre Teilzeit gearbeitet hat, in Karenz war oder sich selbstständig gemacht hat, kommt nie auf 45 volle Jahre. Und wer gut verdient, läuft in einen zweiten Deckel, den kaum jemand kennt.
Drei Wege gibt es realistisch: ETF-Sparplan, fondsgebundene Lebensversicherung und prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge. Keiner ist immer der beste.
Wo Deine Pensionslücke entsteht
Das österreichische System läuft im Umlageverfahren. Die heute Arbeitenden zahlen die Pensionen der heute Pensionierten. Das geht auf, solange viele Junge auf wenige Alte zahlen, und genau dieses Verhältnis kippt seit Jahrzehnten.
Die Pension wird deswegen nicht wegbrechen. Aber drei Gruppen trifft es härter als den Rest.
Erstens, wer gut verdient. Martin ist 46, gelernter Installateur, heute Betriebsleiter in einem Grazer Haustechnik-Betrieb, rund 7.200 Euro brutto im Monat. Pensionsbeiträge zahlt er nur bis zur Höchstbeitragsgrundlage, 2026 sind das 6.930 Euro. Alles darüber ist für seine Pension unsichtbar. Bei Martin sind das knapp 300 Euro im Monat, das verkraftet er. Wer 9.000 verdient, dem fällt fast ein Viertel des Einkommens aus der Rechnung, und der stürzt beim Umstieg am tiefsten.
Zweitens, wer Lücken im Erwerbsleben hat. Da steht Katrin. Teilzeit, Karenz, Pflege von Angehörigen, ein später Berufseinstieg: jedes dieser Jahre fehlt später auf dem Konto. Bei Frauen summiert sich das zu einer Pensionslücke von fast 40 Prozent gegenüber Männern, eine der größten im OECD-Vergleich. Dazu steigt ihr Pensionsalter seit 2024 schrittweise, 2026 liegt es bei 61,5 Jahren und wandert bis 2033 auf 65.
Drittens, Selbstständige. Philipp hat sich mit 30 selbstständig gemacht. In den mageren Jahren zahlte er wenig an die SVS, damals kein Thema. Heute steht genau das noch am Konto, und was dort fehlt, holt er nicht mehr auf.
Faustregel für alle zwischen 25 und 55: 10 bis 15 Prozent vom Nettoeinkommen privat zurücklegen, sobald Notgroschen und Fixkosten stehen. Wer großzügiger leben will, eher 20 bis 30 Prozent.
Die drei realistischen Wege
ETF-Sparplan. Ein Dauerauftrag in einen breit gestreuten Aktien-ETF beim Online-Broker. Günstig, flexibel, jederzeit kündbar. Auf Gewinne fallen 27,5 Prozent KESt an, ohne Freibetrag. Bei thesaurierenden Fonds greift der Fiskus schon während der Laufzeit zu, über die sogenannten ausschüttungsgleichen Erträge. Klingt bürokratisch, heißt einfach: Du zahlst jedes Jahr ein Stück Steuer, auch wenn Du nichts verkaufst. Bei einem Meldefonds rechnet die Bank das automatisch ab, bei anderen wird es mühsam und teurer. Vorteil: niedrige Kosten, volle Kontrolle. Nachteil: keine Förderung, keine Garantie, und das Geld ist immer nur einen Klick weit weg.
Fondsgebundene Lebensversicherung. Eine Versicherungs-Hülle, in der Fonds laufen. Auf jede Einzahlung fallen 4 Prozent Versicherungssteuer an, dafür bleiben die Erträge innerhalb der Polizze von der KESt verschont. Wer monatlich einzahlt, und das ist bei Vorsorge der Normalfall, hat keine Mindestbindung. Die vielzitierten 15 Jahre (ab 50 sind es 10) gelten nur, wenn Du eine größere Summe auf einen Schlag einzahlst. Vorteil: der Steuereffekt bei langer Laufzeit und die eingebaute Disziplin. Nachteil: die Kosten liegen deutlich über einem direkten Sparplan, und wer in den ersten Jahren aussteigt, bekommt oft weniger heraus als er eingezahlt hat. Die Arbeiterkammer bemängelt zu Recht, dass viele Anbieter ihre Kosten nur in Prozentangaben verstecken. Lass Dir eine Modellrechnung mit null Prozent Wertentwicklung zeigen, dann siehst Du die Kosten nackt.
Prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge. Die österreichische Sonderform. Du zahlst ein, der Staat legt 4,25 Prozent drauf, für 2025 und 2026 festgeschrieben. Gefördert wird höchstens eine Einzahlung von 3.817,04 Euro im Jahr, macht maximal 162,22 Euro vom Finanzamt. Du bindest Dich mindestens zehn Jahre, dafür gibt es eine hundertprozentige Kapitalgarantie auf Einzahlungen und Prämien. Dazu ist die Aktienquote gesetzlich gedeckelt, was die Renditechance bremst.
Achtung, die Verrentungs-Falle. Steuerfrei bleibt die Zukunftsvorsorge nur, wenn Du Dir am Ende eine lebenslange Rente auszahlen lässt. Nimmst Du das Kapital auf einen Schlag, gibst Du die halbe Staatsprämie zurück und zahlst auf die Erträge 27,5 Prozent nach. Wer von Anfang an weiß, dass er die Auszahlung will, verliert damit einen guten Teil der Förderung.
Was zu Dir passt, hängt an drei Fragen
Wie viel Zeit hast Du noch? Bei 25 Jahren und mehr kann die Versicherungs-Hülle ihren Steuervorteil ausspielen. Bei 10 bis 15 Jahren frisst sie ihn meist selbst wieder auf.
Wie viel verdienst Du? Wer über der Höchstbeitragsgrundlage liegt, hat die größte Lücke und braucht auch die größte private Rate. Wer wenig Einkommensteuer zahlt, gewinnt durch eine teure Hülle wenig.
Wie diszipliniert bist Du? Katrin hat die Frage für sich klar beantwortet: Bei ihr geht am Monatsende zu leicht etwas weg. Wer das von sich weiß, ist mit einer Vertragsbindung besser dran als mit einem Depot, das ein Klick auflöst.
Die häufigsten Fehler
Ohne Vergleich bei der Hausbank unterschreiben. Ein halbes Prozent mehr Verwaltungsgebühr kostet über 30 Jahre fünfstellig. Das ist kein Kleingeld, das ist ein Auto.
In eine Versicherung gehen, ohne die Kosten gesehen zu haben. Wer nach drei Jahren kündigt, verliert oft mehr als er eingezahlt hat.
Zu spät anfangen. Wer mit 25 startet, hat vierzig Jahre Zinseszins. Wer mit 45 startet, muss die doppelte Rate stemmen, um am selben Punkt zu landen.
Häufige Fragen
Ist private Pensionsvorsorge steuerlich absetzbar?
Nein, die Beiträge nicht. Die Zukunftsvorsorge bekommt stattdessen die staatliche Prämie, bei der Versicherungslösung liegt der Vorteil in der Behandlung der Erträge. Ein ETF-Sparplan hat gar keine Förderung.
Was passiert im Todesfall?
Beim Depot geht alles in die Erbmasse und durchläuft das Nachlassverfahren, das kann dauern. Bei einer Lebensversicherung gibt es Bezugsberechtigte, die das Geld direkt bekommen. Ein Vorteil, den viele übersehen.
Was ist mit der Inflation?
Sie ist der Hauptfeind langfristiger Vorsorge. Garantien klingen sicher, sind über dreißig Jahre aber oft real wertvernichtend, weil die Aktienquote zu niedrig liegt. Geld am Sparbuch ist wie Eis in der Sonne: heute noch okay, in zwanzig Jahren nicht mehr.
Und wenn ich nur 50 Euro im Monat übrig habe?
Dann fang mit 50 an. Ehrlich gesagt schließt das keine Pensionslücke, aber es baut die Gewohnheit auf, und die Rate lässt sich später erhöhen. Mehr zum Einstieg im Beitrag zum ETF-Sparplan in Österreich.
Fazit
Katrin hat am Ende nicht das Produkt gesucht, sondern zuerst ihre eigene Zahl. Die fällt bei einem Angestellten mit lückenloser Karriere ganz anders aus als bei ihr, bei Martin oder bei Philipp. Private Pensionsvorsorge ist keine Sparbuch-Frage, sondern eine Entscheidung mit dreißig Jahren Wirkung.
Das Wichtigste in Kürze
- 45 lückenlose Beitragsjahre ergeben rund 80 Prozent vom Letzteinkommen. Die wenigsten kommen dorthin.
- Über 6.930 Euro brutto im Monat (Stand 2026) sammelst Du keine Pensionsansprüche mehr.
- Frauen trifft es doppelt: fast 40 Prozent weniger Pension und ein steigendes Antrittsalter, 2026 bei 61,5 Jahren.
- ETF-Sparplan: günstig und flexibel, 27,5 Prozent KESt, kein Freibetrag.
- Fondsgebundene Versicherung: 4 Prozent Versicherungssteuer statt KESt auf die Erträge, dafür höhere Kosten und teuer beim frühen Ausstieg.
- Zukunftsvorsorge: 4,25 Prozent Staatsprämie auf maximal 3.817,04 Euro, aber nur bei Verrentung voll steuerfrei.
- Früh anfangen schlägt viel anlegen.
Reden wir in Ruhe darüber
Bevor über ein Produkt geredet wird, gehört Deine Lücke gerechnet. Dafür brauche ich Deinen Pensionskonto-Auszug und eine halbe Stunde. Danach weißt Du, über welchen Betrag wir sprechen, und ob sich der Aufwand für Dich überhaupt lohnt. Vereinbare ein kostenloses Erstgespräch zur Veranlagung. Im Büro in Graz, in Hausmannstätten, gerne bei Dir Zuhause oder online. Kein Schalter, kein Anzug, kein Skript.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ist keine individuelle Anlage- oder Steuerberatung. Welche Lösung zu Dir passt, klären wir gemeinsam im Erstgespräch.